Fantasy Spiele Verlag

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Der Fantasy-Spiele-Verlag (FSV GmbH) war der deutsche Verlag von Dungeons & Dragons und Advanced Dungeons & Dragons 1 und Sternengarde 1983 bis 1988. [1] [2]

Es wurden überwiegend Produkte in Lizenz von TSR übersetzt, dazu wurde die Zeitschrift Drache von 1983 oder 84 bis 1985 in acht Ausgaben (zzgl. eine Nullnummer und ein „Das Beste“) herausgebracht.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1982 hatte Hans W. Jany die ASS AG, einen traditionsreichen Spielkartenhersteller, „handstreichartig“ (Welt, 06.05.1996) [3] übernommen. Das Unternehmen war in finanziellen Schwierigkeiten. Jany, Jahrgang 1953, hatte in Phoenix, Arizona, USA studiert und 1975 sein Studium abgeschlossen. Im Folgejahr konnte er die Lizenz für Dungeons & Dragons erwerben und gründete die FSV als GmbH, die zum Dezember 1983 offiziell ins Handelsregister eingetragen wurde, erste Produkte wurden ab November 1983 verkauft. Das Unternehmen bestand aus wenigen festen Mitarbeitern, die Übersetzungen wurden durch freie Mitarbeiter erstellt.

Bei Chronologien sorgt öfter für Verwirrung, dass die ursprünglichen Veröffentlichungsjahre der amerikanischen Ausgaben beibehalten wurden, so findet man in Sternengarde das Jahr 1982 angegeben, wohingegen die deutsche Übersetzung erst Mitte oder Ende 1984 auf den Markt kam.

1988 wurden die Arbeiten eingestellt. Wie zeitgenössischer Berichterstattung zu entnehmen ist, durchaus überraschend. Im gleichen Jahr musste Jany das Unternehmen verlassen, es gab Berichte über Börsenmanipulationen [4]. Unterlagen zum Unternehmen waren bisher nicht auffindbar, es erscheint wahrscheinlich, dass diese im Zuge der weiteren, recht turbulenten Geschichte der ASS AG vernichtet wurden.

Die noch vorhandenen Bestände an D&D-Material konnte Karl-Heinz Striezel, Inhaber des Games-In Verlags und Ladengeschäfts, erwerben, wie er in einem Telefonat mitteilte. Es war noch ein erheblicher Umfang an Material vorhanden, offenbar war weit mehr produziert worden als abgesetzt werden konnte. Die Bestände werden, soweit noch vorhanden, bis heute über seinen Webshop verkauft.

Eine Veröffentlichung vom FSV hat seinerzeit traurige Berühmtheit erlangt, so dass sie Jahrzehnte später immer noch bei vielen im Gedächtnis ist: das Spielleiterhandbuch für AD&D1.

Wie sich zeitgenössischen Berichten entnehmen lässt, wurde auf den Band im Jahr 1987 sehnsüchtig gewartet, aber als er dann im Sommer endlich erschien, war das Entsetzen groß. Offenbar hatte kein Lektorat stattgefunden, da zahlreiche Rechtschreibfehler der Übersetzung noch enthalten waren. Der Tiefpunkt waren Teile der Anhänge, die offenkundig von einer Person übersetzt worden waren, die Deutsch nicht als Muttersprache hatte, und war bei den Übersetzungen anhand eines Wörterbuchs (von Langenscheidt) so vorgegangen, dass jeweils die erste Übersetzung zum Stichwort genutzt wurde. So kam es dazu, dass plötzlich von Taschenlampen oder Handtaschen die Rede war, oder von Diskretion, die der Spielleiter nutzen müsse, wo doch Fackel, Geldbörse oder Entscheidung des Spielleiters treffender gewesen wäre.

Die Rezensionen (z.B. ZauberZeit 6 und 7) führten dazu, dass Uwe Körner als einer der Hauptverantwortlichen für die Übersetzung sich ausdrücklich davon distanzierte, was als Ergebnis rausgekommen war (so Zauberzeit 8, Fantasywelt 14).

Inhaltliche Kritik, wie Verweise auf die in Deutschland zu der Zeit nahezu unbekannten Spiele Gamma World oder Boot Hill, ist verständlich, aber mutmaßlich aufgrund der Lizenz nicht anders machbar gewesen.

Diese Fehler führten dazu, dass FSV kurze Zeit später das Buch korrigiert neu auflegte und die „korrigierten Seiten“ kostenlos über die Spieleläden verteilte. Diese wiederum waren wohl immer noch nicht fehlerfrei, wie eine Kurzrezension in der Zauberzeit 9 süffisant vermerkte.

Quellen[Bearbeiten]